In unserem ersten Beitrag der Reihe „Softwarearchitektur verbessern“ greifen wir ein Thema auf, das in den Trainings der ITech Academy und auch in zahlreichen Blog- und Forenbeiträgen immer wieder kontrovers diskutiert wird: Clean Code als Architekturaufgabe. Wer nun fragend zum Himmel oder an die Zimmerdecke schaut, sei an das gleichnamige Buch von Robert Martin erinnert, in dem ein erster zielführender Standard für sauberen Quellcode geschaffen und mit einer Vielzahl sachdienlicher Hinweise zu dessen Strukturierung ausgestattet wurde. Tatsächlich beschreibt Clean Code aber nicht nur eine Arbeitsweise, sondern auch eine Bewusstseinshaltung des Entwicklers dahingehend, sich selbst und Nachfolgende nicht mit faktisch unzureichender Codequalität, unsinnigen Entscheidungen und unpräzisen Designs zu belasten. Der Clean-Code-Entwickler übernimmt Verantwortung nicht nur für das Endprodukt, sondern auch für dessen „inneren Werte“ im Hinblick auf Verständlichkeit und Wartbarkeit.

Zugegeben, das alles bezieht sich auf den Entwickler und seine Arbeit. Es mag deshalb in der Tat verwirren, wenn Architekten angeregt werden, sich mit Clean Code als Verbesserungsansatz in der Softwarearchitektur zu beschäftigen. „Was geht mich der Code an?“ lautet meist die Antwort. „Das ist Sache des Programmierers!“ Die Antwort ist ebenso richtig wie falsch: Mit Clean Code zu arbeiten ist eine strategische Architekturentscheidung, die sinnvollerweise begründet in der Konzeptphase getroffen und vom Management abgesegnet wird. Die Entscheidung wird zumeist im Hinblick auf die langfristige Codequalität und die Weiterentwicklungskosten gefällt, und sie ist anspruchsvoll, wie wir noch sehen werden. Sie kann in einem Projekt eine erhebliche Tragweite entwickeln und Auswirkungen bis hin zur personellen Besetzung der Teams.

Wenn Clean Code eine Architekturvorgabe an ein Projekt ist, liegt sie auch im Verantwortungsbereich des Architekten. Softwarearchitekten in Clean-Code-Projekten sollten deshalb auch in der Lage sein, die Einhaltung der Anforderungen im Projekt zu steuern und den Code auf konsequente Umsetzung zu prüfen, beispielsweise mit Tools wie Sonarqube. Und damit öffnen wir schon mal die ersten beiden Schubladen der Konfliktkommode. Denn zum einen sehen Entwickler die tägliche Codehygiene gerne als einen Teil ihrer Intimsphäre an und verzichten nur zu gerne auf „väterliche“ Kontrollgänge des Architekten. Zum anderen nagt die Umsetzung von Clean Code unaufhörlich speziell an der Ressource, die für den Entwickler ohnehin die knappste ist: Zeit. Zumindest ein leiser Protest im Team scheint damit vorprogrammiert. Aber hatte jemand behauptet, der Job des Softwarearchitekten sei ein leichter?

Es gibt noch eine dritte Schublade, nicht minder relevant: Clean Code als Anforderung muss nicht nur dem Projektteam vermittelt, sondern auch dem Management verkauft werden. Auch das kann durchaus schwierig werden. Moderationsfähigkeit und Überzeugungskraft gehörten deshalb ebenso zum Handwerk des Architekten, wie das methodische und technische Wissen.

Auf dieser Basis stellt sich für uns nicht die Frage, ob Clean Code seinen Platz in einem fortgeschrittenen Architekturtraining haben sollte oder nicht, sondern lediglich, in welchem Umfang und welchem Tiefgang das Thema besprochen gehört. In unserem Training „Evolution und Verbesserung von Softwarearchitekturen (IMPROVE)“ auf iSAQB Advanced-Level versuchen wir, die teilnehmenden Architekten zur Entscheidungsfähigkeit hinzuführen, ob und wann Clean Code in einem Projekt Sinn ergibt. Weiterhin werden die wesentlichen Grundlagen und Tools sowie weiterführende Literatur vorgestellt, um eine Beschäftigung mit dem Thema über die Schulung hinaus zu ermöglichen.

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Nächstes Training: 14.-16. November 2018 in Nürnberg
Weitere Infos: www.itech-progress.com/isaqb-improve/