Willkommen in der Welt der Green IT

Der japanische Filmemacher Hayao Miyazaki thematisiert in seinen Animationsfilmen oft die Beziehung des Menschen zur Natur. In „Prinzessin Mononoke“ von 1997 beispielsweise tritt der Hauptcharakter der Zerstörung der Natur durch den Menschen entgegen. Miyazaki versucht durch seine Filme zu verdeutlichen, dass wir im Kontext unserer Umwelt existieren. Ja, davon sogar abhängig sind.
Als Softwarearchitekten wissen wir, dass unsere Software in einem Kontext agiert und Einflussfaktoren unterliegt. Der Bezug zur Natur ist dabei nicht offensichtlich. Nicht umsonst spielen technologiebasierte Science-Fiction Werke meistens in Megapolen oder im Weltraum. Doch die IT-Branche hat eine Verbindung zur Natur: Green IT.
Mit dieser Blogserie geben wir einen Einblick in Herausforderungen und Möglichkeiten der Green IT und möchten zeigen, dass Green IT noch mehr ist als Umweltschutz. So gehen wir bereits in diesem ersten Artikel auf die verschiedenen Facetten nachhaltiger Softwaresysteme ein, erklären die dahinterliegende Motivation und präsentieren ausgewählte Green-IT-Maßnahmen.

Was unter Green IT zu verstehen ist

Zur besseren Eingrenzung des Begriffs „Green IT“ werfen wir zunächst einen Blick auf den Oberbegriff „Nachhaltigkeit“. Die Grundsätze nachhaltiger Entwicklung gehen auf den 1987 veröffentlichten Bericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen zurück. Heutzutage ist dieser Bericht besser bekannt als „Brundtland-Bericht“. In diesem Bericht wird nachhaltige Entwicklung als „Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ beschrieben.
Aufbauend auf dem Brundtland-Bericht legte die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages 1998 einen Bericht vor, indem der Begriff Nachhaltigkeit in einem Drei-Säulen-Modell spezifiziert wird:
Ökologische Nachhaltigkeit: Unser wirtschaftliches Handeln orientiert sich an den Grenzen der natürlich regenerierenden Ressourcen.
Ökonomische Nachhaltigkeit: Unser wirtschaftliches Handeln zielt darauf ab, langfristig betriebsfähig zu bleiben.
Soziale Nachhaltigkeit: Unser gesellschaftliches Handeln zielt darauf ab, alle Menschen zu inkludieren und soziale Spannungen zu verhindern.
Der Themenbereich Green IT legt den Fokus auf ökologische Nachhaltigkeitsaspekte von IT-Systemen, wobei soziale und ökonomische Faktoren nicht vernachlässigt werden. So gehen mit ökologisch nachhaltigem Handeln häufig auch Kosteneinsparungen einher. Das Ziel von Green-IT-Maßnahmen ist dabei immer die Reduktion des Ressourcenverbrauchs und der damit verbundenen Treibhausgasemissionen, die nachweislich den Klimawandel vorantreiben.

Warum wir Green IT Beachtung schenken sollten

In unserer Blogserie über Green IT zeigen wir Green-IT-Maßnahmen und welchen Effekt diese auf den Energie- und Ressourcenverbrauch von Softwaresystemen haben. Wichtig ist uns dabei aber auch, die Motivation hinter diesen Maßnahmen aufzuzeigen, die über Umweltschutz hinausgehen. Um die Vorteile der Green IT an dieser Stelle zu präsentieren ziehen wir das japanische Sanpo-Yoshi-Modell heran. Es stammt aus der Zunft reisender Händler, die in Provinzen Infrastruktur errichtet haben, um langfristige Beziehungen zu ihren Kunden zu etablieren. Sanpo-Yoshi ist ein jahrhundertealtes Geschäftsprinzip, das ein Geschäftsmodell danach bewertet, ob es gut für den Verkäufer, den Käufer und die Gesellschaft ist.
Green IT ist gut für den Softwarehersteller (Verkäufer), weil die Entwicklung nachhaltiger Software schneller und der Betrieb kosteneffizienter ist. Nachhaltige Software ist schlanker und DevOps-Prozesse werden schneller durchgeführt. Außerdem hat grünes Engagement eine positive Wirkung auf das Markenimage sowie die Arbeitgeberattraktivität.
Green IT ist gut für den Softwareverwender (Käufer), weil nachhaltige Software performanter ist und auf dem System des Verwenders weniger Strom verbraucht. Darüber hinaus ist nachhaltige Software kompatibel mit älterer Hardware, sodass diese länger genutzt werden kann.
Green IT ist gut für die Gesellschaft, weil der Ressourcenverbrauch und die daraus resultierenden Treibhausgasemissionen gesenkt werden. Es ist zudem ein spannendes Forschungsfeld, in dem Arbeitsplätze geschaffen werden können.
Diese Analyse verdeutlicht, dass Green IT zahlreiche Vorteile für unterschiedliche Rollen hat. Wenn wir über Maßnahmen zur Entwicklung nachhaltiger Softwaresysteme sprechen, referenzieren wir diese Vorteile und zeigen daran, inwiefern sich diese Maßnahmen lohnen.

Was im Bereich der Green IT zu tun ist

In diesem Abschnitt möchten wir Ideen mitgeben, welche Green-IT-Maßnahmen möglich sind. Hierbei fokussieren wir uns auf Handlungsmöglichkeiten in der Entwicklung von Softwaresystemen. Die Nutzer von Software können zwar auch durch effiziente Verwendung Einsparungspotentiale heben, diese Einsparungspotentiale sind aber gering im Vergleich zu skalierenden Optimierungsmaßnahmen bei Softwareherstellern.
Die einfachste Maßnahme zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs in einem Softwareunternehmen ist, ungenutzte Services (sog. „Zombie-Services“) abzuschalten. Insbesondere die Außerbetriebnahme von Cloud-Ressourcen kann dabei auch zu signifikanten Kostensenkungen führen. In einem Bericht aus dem Jahr 2025 beschrieb Barry Runyon wie es der amerikanischen Gesundheitsorganisation Trinity Health gelungen war, durch Identifikation und Abschaltung ungenutzter IT-Services eine jährliche Reduktion der IT-Betriebskosten um 68 Mio. US-Dollar zu erzielen. Dieser Bericht befasst sich zwar ausschließlich mit dem finanziellen Aspekt, die ökologische Ressourceneinsparung ist damit aber unmittelbar verbunden.
Zusätzlich können auch Systeme, die nur zeitlich begrenzt benötigt werden, bedarfsgerecht hoch- und heruntergefahren werden. Dazu gehören bspw. Test- und Berichtssysteme. Diese Maßnahme ist nicht nur einfach, sondern auch äußerst effektiv. Der Ressourcenverbrauch eines Testsystems kann um fast 60 % reduziert werden, wenn dieses nur zu den Kernarbeitszeiten betrieben werden muss.
Eine wirkungsvolle Maßnahme im Bereich der Softwareentwicklung ist Caching. Caching vermeidet, dass Arbeit zur Erzeugung gleichen Inhalts mehrfach verrichtet werden muss. So verbessert Caching das Laufzeitverhalten eines Prozesses und verringert obendrein dessen Ressourcenverbrauch. Je nach Architektur kann Caching auch dazu führen, dass das Volumen der Netzwerkkommunikation reduziert wird.
Mit diesem Blogbeitrag wollen wir den Grundstein für eine ganze Blogserie über Green IT legen. Wir freuen uns darauf, Ihnen zahlreiche Maßnahmen, Modelle und Methoden zur effizienten Gestaltung Ihrer IT-Landschaft zu präsentieren. Im nächsten Blogbeitrag steigen wir dazu direkt in die Materie ein und behandeln die Kohlenstoffintensität von Strom und das Prinzip „Carbon Aware Computing“.
Sollte Ihr Interesse an ressourceneffizienter Softwarearchitektur geweckt sein, empfehlen wir einen Blick in unser Schulungsangebot, in dem auch unser iSAQB®-Training „Green Software“ zu finden ist.

Referenzen

Brundtland, Gro Harlem et. al. (1987): Our Common Future [online],
https://en.wikisource.org/wiki/Brundtland_Report

[abgerufen am 13.03.2026]

Caspers-Merk, Marion et. al. (1998): Konzept Nachhaltigkeit, Vom Leitbild zur Umsetzung [online],
https://dserver.bundestag.de/btd/13/112/1311200.pdf

[abgerufen am 13.03.2026]

Runyon, Barry (2025): Case Study: Trinity Health Drives IT Cost Optimization With Legacy Decommissioning [online],
https://www.gartner.com/doc/reprints?id=1-2LMR92DS&ct=250807

[abgerufen am 13.03.2026]

Tanimoto, Kanji (2013): Sanpo-yoshi and CSR [online],
https://www.researchgate.net/publication/303929069_Sanpo-yoshi_and_CSR

[abgerufen am 13.03.2026]