Cloud Computing im Takt erneuerbarer Energien

Cloud Computing im Takt erneuerbarer Energien

Cloud Computing im Takt erneuerbarer Energien

Wer einem Sinfonieorchester lauscht, dem kann der Eindruck entstehen, dass die vielen Musiker auf der Bühne zu einer Einheit verschmelzen, sobald das Musikstück beginnt. Neben den Harmonien fällt dabei auch die gemeinsame Dynamik der Musiker auf. Alle Musiker müssen gleichermaßen Einsatz zeigen, um das Tempo oder die Lautstärke der Musik zu beeinflussen. Diese Koordination übernimmt eine Person: der Dirigent.
In gewisser Weise lässt sich das Bild des Sinfonieorchesters auf moderne Softwaresysteme übertragen, weil verteilte Systemteile ebenfalls individuelle Aufgaben übernehmen aber als Einheit wahrgenommen werden müssen. Dazu kommt, dass Cloud-Systeme Flexibilität und Koordinationsmöglichkeiten bieten. So kann gesteuert werden, wann und wo ein IT-gestützter Prozessschritt ablaufen soll. Das hilft bspw. bei der Verteilung von Last im System.
Stellen wir uns vor, dass wir dabei auch Nachhaltigkeitsaspekte in die Prozesssteuerung integrieren können, so sind wir bei der Grundidee von Carbon Aware Computing angelangt. Beim Carbon Aware Computing wird die Metrik Kohlenstoffintensität genutzt, um die Ausführung eines IT-Systems zu steuern. Die Nachhaltigkeit wird somit zum Dirigenten des Systems.

Wie die Kohlenstoffintensität des Stromnetzes schwankt

Abhängig davon, zu welcher Zeit und an welchem Ort elektrische Energie bzw. Strom verbraucht wird, sind damit unterschiedliche Schadstoffemissionen verbunden. Das liegt daran, dass nicht jeder Strom gleich erzeugt wird. Bei der Verstromung fossiler Energieträger werden mehr Emissionen verursacht als bei der Energieerzeugung aus regenerativen Quellen. Neben Treibhausgasen, die auf das einheitliche Maß der Kohlenstoffdioxidäquivalente abstrahiert werden, können dabei auch andere umwelt- oder gesundheitsschädliche Stoffe in die Umwelt gelangen. Zur besseren Eingrenzung fokussiert sich dieser Blogbeitrag auf die Emission von Kohlenstoffdioxidäquivalenten und lässt andere Schadstoffe außen vor.
Die Kohlenstoffintensität beschreibt, wie viele Kohlenstoffdioxidäquivalente pro verbrauchter Kilowattstunde Strom emittiert werden. Vereinfacht gesagt, hilft diese Kennzahl dabei, die Nachhaltigkeit eines Stromnetzes zu bewerten. Die Kohlenstoffintensität ist dabei stets orts- und zeitpunktbezogen.
Der Ortsbezug leitet sich daraus ab, dass sich die Stromerzeugung regional unterscheidet. Dadurch ist die Kohlenstoffintensität in Regionen mit breitem Ausbau erneuerbarer Energien selbstverständlich geringer als in Regionen, in denen vermehrt fossile Energieträger verstromt werden. Um einen Eindruck darüber zu gewinnen, wie sich die Kohlenstoffintensität auf der Welt unterscheidet, kann das Online-Tool Eletricity Maps genutzt werden, das aktuelle und historische Daten zur Kohlenstoffintensität und Stromerzeugung zur Verfügung stellt.
Darüber hinaus ist die Kohlenstoffintensität ein zeitpunktbezogener Wert, da die Stromerzeugung nicht statisch ist. Der Energiebedarf der Verbraucher sowie die Verfügbarkeit erneuerbarer Energiequellen unterliegt Schwankungen. Der Energiebedarf steigt abends bspw., wenn viele Menschen Haushalts- und Küchengeräte nutzen, wobei die Energieerzeugung aus Solarenergie geringer wird, da die Sonne nicht mehr so intensiv scheint. Das hat zur Folge, dass Energieerzeuger kontinuierlich fossile Energieträger verstromen, um das Stromnetz stabil zu halten. Dazu werden fossile Energieträger verwendet, da diese dispatchfähig sind; also die erzeugte Strommenge einfach gesteuert werden kann. Somit schwankt je nach Tageszeit auch die Kohlenstoffintensität. Eine effektive Maßnahme, um diesen zeitpunktbezogenen Schwankungen entgegenzutreten, ist die Installation von Energiespeichern.

Was unter Carbon Aware Computing zu verstehen ist

Beim Carbon Aware Computing wird dieser Umstand adressiert. Dazu werden IT-Systeme automatisiert gesteuert, um den Energieverbrauch dynamisch an der Kohlenstoffintensität des verwendeten Stromnetzes auszurichten. Damit wird das Ziel verfolgt, die Emission von Kohlenstoffäquivalenten im Softwarebetrieb zu vermindern. Im Bereich Carbon Aware Computing haben sich dafür vier Patterns entwickelt, die helfen, den Energieverbrauch nachhaltig zu steuern:

Location Shifting: Eine Ressource wird in einer geografischen Region mit geringer Kohlenstoffintensität ausgeführt, um die Kohlenstoffemissionen zu verringern oder eine Ressource wird in geografischer Nähe zum Verwender bereitgestellt, um den Übertragungsweg von Daten zu verkleinern.

Temporal Shifting: Ein IT-gestützter Prozess wird in einem Zeitraum mit geringer Kohlenstoffintensität ausgeführt, um die Kohlenstoffemissionen zu verringern.

Peak Shaving: Ein IT-System steuert die Anzahl bearbeiteter Anfragen, um Lastspitzen zu vermeiden. Lastspitzen können zu einem exponentiell höheren Energieverbrauch führen. Dieses Prinzip kann bspw. umgesetzt werden, indem Anfragen in eine Queue gelegt werden.

Demand Shaping: Eine Applikation verringert die eigene Leistung bei hoher Kohlenstoffintensität, um den eigenen Energieverbrauch zu senken.

Diese vier Patterns können auch in Kombination angewendet werden, um den Effekt des Carbon Aware Computings zu maximieren. Dabei müssen die Patterns aber in Einklang mit den anderen Qualitätsanforderungen an die Software eingesetzt werden. Der Einsatz von Location Shifting bspw. bedingt, dass die Software in anderen geografischen Regionen ausgeführt werden darf und Sicherheitsanforderungen dies nicht untersagen.

Wie sich Carbon Aware Computing auswirkt

  • Location Shifting und Temporal Shifting sind tolle Möglichkeiten, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren, Beispiel mit Polen vs. Skandinavien
  • Es erhöht auch die Resilienz eines Systems, da es sich nicht auf feste Orte oder Zeiten verlässt und flexibel einsetzbar ist
  • Peak Shaving und Demand Shaping wirken sich positive auf das Lastverhalten und die Stabilität des Systems aus, beeinträchtigen aber womöglich die Erfüllung von Aufgaben und müssen dementsprechend mit den Kundenerwartungen vereinbar sein
  • Dynamic Pricing: grüner Strom ist günstiger in der Erzeugung und könnte günstiger verkauft werden
  • Entlastung des Stromnetzes bei Hochlast durch andere Verbraucher

Wie Carbon Aware Computing hilft, Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen

  • Super Möglichkeit, um nicht vermeidbare Ressourcenverbräuche nachhaltiger zu machen
  • Dennoch wichtig, den Ressourcenverbrauch trotzdem zu reduzieren

Referenzen

Electricity Maps (o. D.) Electricity Maps [online]
https://app.electricitymaps.com/map/live/fifteen_minutes
[abgerufen am 19.03.2026]

Green Software Foundation (o. D.) Carbon Awareness [online]
https://learn.greensoftware.foundation/de/carbon-awareness/
[abgerufen am 19.03.2026]

Willkommen in der Welt der Green IT

Willkommen in der Welt der Green IT

Willkommen in der Welt der Green IT

Der japanische Filmemacher Hayao Miyazaki thematisiert in seinen Animationsfilmen oft die Beziehung des Menschen zur Natur. In „Prinzessin Mononoke“ von 1997 beispielsweise tritt der Hauptcharakter der Zerstörung der Natur durch den Menschen entgegen. Miyazaki versucht durch seine Filme zu verdeutlichen, dass wir im Kontext unserer Umwelt existieren. Ja, davon sogar abhängig sind.
Als Softwarearchitekten wissen wir, dass unsere Software in einem Kontext agiert und Einflussfaktoren unterliegt. Der Bezug zur Natur ist dabei nicht offensichtlich. Nicht umsonst spielen technologiebasierte Science-Fiction Werke meistens in Megapolen oder im Weltraum. Doch die IT-Branche hat eine Verbindung zur Natur: Green IT.
Mit dieser Blogserie geben wir einen Einblick in Herausforderungen und Möglichkeiten der Green IT und möchten zeigen, dass Green IT noch mehr ist als Umweltschutz. So gehen wir bereits in diesem ersten Artikel auf die verschiedenen Facetten nachhaltiger Softwaresysteme ein, erklären die dahinterliegende Motivation und präsentieren ausgewählte Green-IT-Maßnahmen.

Was unter Green IT zu verstehen ist

Zur besseren Eingrenzung des Begriffs „Green IT“ werfen wir zunächst einen Blick auf den Oberbegriff „Nachhaltigkeit“. Die Grundsätze nachhaltiger Entwicklung gehen auf den 1987 veröffentlichten Bericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen zurück. Heutzutage ist dieser Bericht besser bekannt als „Brundtland-Bericht“. In diesem Bericht wird nachhaltige Entwicklung als „Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ beschrieben.
Aufbauend auf dem Brundtland-Bericht legte die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages 1998 einen Bericht vor, indem der Begriff Nachhaltigkeit in einem Drei-Säulen-Modell spezifiziert wird:
Ökologische Nachhaltigkeit: Unser wirtschaftliches Handeln orientiert sich an den Grenzen der natürlich regenerierenden Ressourcen.
Ökonomische Nachhaltigkeit: Unser wirtschaftliches Handeln zielt darauf ab, langfristig betriebsfähig zu bleiben.
Soziale Nachhaltigkeit: Unser gesellschaftliches Handeln zielt darauf ab, alle Menschen zu inkludieren und soziale Spannungen zu verhindern.
Der Themenbereich Green IT legt den Fokus auf ökologische Nachhaltigkeitsaspekte von IT-Systemen, wobei soziale und ökonomische Faktoren nicht vernachlässigt werden. So gehen mit ökologisch nachhaltigem Handeln häufig auch Kosteneinsparungen einher. Das Ziel von Green-IT-Maßnahmen ist dabei immer die Reduktion des Ressourcenverbrauchs und der damit verbundenen Treibhausgasemissionen, die nachweislich den Klimawandel vorantreiben.

Warum wir Green IT Beachtung schenken sollten

In unserer Blogserie über Green IT zeigen wir Green-IT-Maßnahmen und welchen Effekt diese auf den Energie- und Ressourcenverbrauch von Softwaresystemen haben. Wichtig ist uns dabei aber auch, die Motivation hinter diesen Maßnahmen aufzuzeigen, die über Umweltschutz hinausgehen. Um die Vorteile der Green IT an dieser Stelle zu präsentieren ziehen wir das japanische Sanpo-Yoshi-Modell heran. Es stammt aus der Zunft reisender Händler, die in Provinzen Infrastruktur errichtet haben, um langfristige Beziehungen zu ihren Kunden zu etablieren. Sanpo-Yoshi ist ein jahrhundertealtes Geschäftsprinzip, das ein Geschäftsmodell danach bewertet, ob es gut für den Verkäufer, den Käufer und die Gesellschaft ist.
Green IT ist gut für den Softwarehersteller (Verkäufer), weil die Entwicklung nachhaltiger Software schneller und der Betrieb kosteneffizienter ist. Nachhaltige Software ist schlanker und DevOps-Prozesse werden schneller durchgeführt. Außerdem hat grünes Engagement eine positive Wirkung auf das Markenimage sowie die Arbeitgeberattraktivität.
Green IT ist gut für den Softwareverwender (Käufer), weil nachhaltige Software performanter ist und auf dem System des Verwenders weniger Strom verbraucht. Darüber hinaus ist nachhaltige Software kompatibel mit älterer Hardware, sodass diese länger genutzt werden kann.
Green IT ist gut für die Gesellschaft, weil der Ressourcenverbrauch und die daraus resultierenden Treibhausgasemissionen gesenkt werden. Es ist zudem ein spannendes Forschungsfeld, in dem Arbeitsplätze geschaffen werden können.
Diese Analyse verdeutlicht, dass Green IT zahlreiche Vorteile für unterschiedliche Rollen hat. Wenn wir über Maßnahmen zur Entwicklung nachhaltiger Softwaresysteme sprechen, referenzieren wir diese Vorteile und zeigen daran, inwiefern sich diese Maßnahmen lohnen.

Was im Bereich der Green IT zu tun ist

In diesem Abschnitt möchten wir Ideen mitgeben, welche Green-IT-Maßnahmen möglich sind. Hierbei fokussieren wir uns auf Handlungsmöglichkeiten in der Entwicklung von Softwaresystemen. Die Nutzer von Software können zwar auch durch effiziente Verwendung Einsparungspotentiale heben, diese Einsparungspotentiale sind aber gering im Vergleich zu skalierenden Optimierungsmaßnahmen bei Softwareherstellern.
Die einfachste Maßnahme zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs in einem Softwareunternehmen ist, ungenutzte Services (sog. „Zombie-Services“) abzuschalten. Insbesondere die Außerbetriebnahme von Cloud-Ressourcen kann dabei auch zu signifikanten Kostensenkungen führen. In einem Bericht aus dem Jahr 2025 beschrieb Barry Runyon wie es der amerikanischen Gesundheitsorganisation Trinity Health gelungen war, durch Identifikation und Abschaltung ungenutzter IT-Services eine jährliche Reduktion der IT-Betriebskosten um 68 Mio. US-Dollar zu erzielen. Dieser Bericht befasst sich zwar ausschließlich mit dem finanziellen Aspekt, die ökologische Ressourceneinsparung ist damit aber unmittelbar verbunden.
Zusätzlich können auch Systeme, die nur zeitlich begrenzt benötigt werden, bedarfsgerecht hoch- und heruntergefahren werden. Dazu gehören bspw. Test- und Berichtssysteme. Diese Maßnahme ist nicht nur einfach, sondern auch äußerst effektiv. Der Ressourcenverbrauch eines Testsystems kann um fast 60 % reduziert werden, wenn dieses nur zu den Kernarbeitszeiten betrieben werden muss.
Eine wirkungsvolle Maßnahme im Bereich der Softwareentwicklung ist Caching. Caching vermeidet, dass Arbeit zur Erzeugung gleichen Inhalts mehrfach verrichtet werden muss. So verbessert Caching das Laufzeitverhalten eines Prozesses und verringert obendrein dessen Ressourcenverbrauch. Je nach Architektur kann Caching auch dazu führen, dass das Volumen der Netzwerkkommunikation reduziert wird.
Mit diesem Blogbeitrag wollen wir den Grundstein für eine ganze Blogserie über Green IT legen. Wir freuen uns darauf, Ihnen zahlreiche Maßnahmen, Modelle und Methoden zur effizienten Gestaltung Ihrer IT-Landschaft zu präsentieren. Im nächsten Blogbeitrag steigen wir dazu direkt in die Materie ein und behandeln die Kohlenstoffintensität von Strom und das Prinzip „Carbon Aware Computing“.
Sollte Ihr Interesse an ressourceneffizienter Softwarearchitektur geweckt sein, empfehlen wir einen Blick in unser Schulungsangebot, in dem auch unser iSAQB®-Training „Green Software“ zu finden ist.

Referenzen

Brundtland, Gro Harlem et. al. (1987): Our Common Future [online],
https://en.wikisource.org/wiki/Brundtland_Report

[abgerufen am 13.03.2026]

Caspers-Merk, Marion et. al. (1998): Konzept Nachhaltigkeit, Vom Leitbild zur Umsetzung [online],
https://dserver.bundestag.de/btd/13/112/1311200.pdf

[abgerufen am 13.03.2026]

Runyon, Barry (2025): Case Study: Trinity Health Drives IT Cost Optimization With Legacy Decommissioning [online],
https://www.gartner.com/doc/reprints?id=1-2LMR92DS&ct=250807

[abgerufen am 13.03.2026]

Tanimoto, Kanji (2013): Sanpo-yoshi and CSR [online],
https://www.researchgate.net/publication/303929069_Sanpo-yoshi_and_CSR

[abgerufen am 13.03.2026]

Wenn KI auf Kommunikation trifft, bleibt menschliche Urteilskraft entscheidend

Wenn KI auf Kommunikation trifft, bleibt menschliche Urteilskraft entscheidend

Wenn KI auf Kommunikation trifft, bleibt menschliche Urteilskraft entscheidend

Wenn KI auf Kommunikation trifft, bleibt menschliche Urteilskraft entscheidend

In der heutigen Softwareentwicklung reicht technisches Wissen allein nicht aus, um tragfähige und anpassungsfähige Architekturen zu gestalten. Gerade in komplexen Vorhaben gewinnen kommunikative und soziale Kompetenzen an Bedeutung. Dazu gehören insbesondere Klarheit in der Kommunikation, Empathie, Teamfähigkeit und die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen. Sie helfen Softwarearchitekten dabei, Anforderungen präziser zu verstehen, Zielkonflikte früh zu erkennen und Lösungen im fachlichen wie technischen Kontext belastbar zu entwickeln. Der Beitrag zeigt, warum diese Fähigkeiten im Zusammenspiel mit KI weiter an Gewicht gewinnen und was das für die Praxis in Entwicklungsteams bedeutet.

AI efficiency and human accountability balanced on

KI automatisiert Wissen – nicht Verantwortung

Künstliche Intelligenz revolutioniert die Arbeitswelt, indem sie Wissen automatisiert und zahlreiche Aufgaben, wie das Erstellen von Code, Architekturvorschlägen oder Analysen, in Minuten statt Stunden erledigt. Doch während KI zahlreiche Informationen und Handlungsoptionen bereitstellt, liegt die Verantwortung für deren Auswahl und Bewertung weiterhin beim Menschen. Künstliche Intelligenz kann Entscheidungen unterstützen, niemals jedoch vollständig übernehmen. Dies führt dazu, dass der Engpass nicht mehr im Zugang zu Informationen liegt, sondern in der Fähigkeit zur fundierten Urteilsbildung. Soft Skills wie kritisches Denken, ethische Reflexion und Verantwortungsbewusstsein gewinnen daher an Bedeutung. Nur durch eine bewusste Kombination aus KI gestütztem Wissen und menschlicher Urteilskraft können nachhaltige und verantwortungsvolle Entscheidungen getroffen werden. Verantwortung entsteht nicht im System, sondern im menschlichen Urteil.

KI und Mensch: Stär

Wo KI stark ist und wo sie an Grenzen stößt

Moderne Künstliche Intelligenz beeindruckt durch ihre Fähigkeit, Muster zu erkennen, riesige Datenmengen effizient auszuwerten sowie Texte und Code in hoher Qualität zu erzeugen. Sie unterstützt dabei, Optionen vorzuschlagen und repetitive Aufgaben zu automatisieren, was insbesondere in der Softwareentwicklung Zeit und Ressourcen spart. Doch trotz dieser Stärken bleibt KI dort begrenzt, wo Kontextverständnis, Verantwortung und Werteabwägung entscheidend werden. Softwarearchitektur macht besonders deutlich, wie wichtig menschliche Urteilskraft ist, wenn technische Entscheidungen weit über das System selbst hinauswirken. KI kann Muster verdichten und Optionen aufzeigen. Ob diese im konkreten Kontext tragfähig und verantwortbar sind, bleibt jedoch eine Frage menschlicher Urteilskraft. Nachhaltige Architekturentscheidungen entstehen dort, wo Vorschläge nicht nur übernommen, sondern im Hinblick auf Werte, Risiken und Rahmenbedingungen bewusst eingeordnet werden.

KI und Mensch: Stär

Vom Wissensarbeiter zum Entscheidungsarchitekten

Die Rolle von Softwarearchitekten verändert sich deutlich. Statt vor allem Wissen bereitzustellen oder Lösungen eigenständig zu entwickeln, rückt heute die Fähigkeit in den Vordergrund, Entscheidungen zu strukturieren, Risiken abzuwägen und Lösungsalternativen fundiert zu bewerten. Der moderne Softwarearchitekt agiert damit zunehmend als Entscheidungsarchitekt. Dies bedeutet, dass er nicht nur technische Lösungen entwirft, sondern vor allem Orientierung in komplexen Projektumgebungen schafft. In solchen Kontexten wird diese Rolle zum entscheidenden Faktor, weil sie die Grundlage für nachhaltige und zukunftsfähige IT Strategien legt. Die Fähigkeit, technische Möglichkeiten mit geschäftlichen Anforderungen in Einklang zu bringen und Stakeholder in Entscheidungsprozesse einzubinden, macht dabei den Unterschied. Somit wird aus dem Wissensarbeiter ein Gestalter von Entscheidungen, der durch sein Verständnis von Technik und Risiko maßgeblich zur Wertschöpfung beiträgt.

AI transformation from knowledge worker

Entscheidungsfähigkeit unter Unsicherheit

Je mehr Künstliche Intelligenz Routineaufgaben übernimmt, desto wichtiger wird die Entscheidungsfähigkeit unter Unsicherheit als Soft Skill. Technische Exzellenz bleibt unverzichtbar, doch gerade in komplexen, unvorhersehbaren Situationen ist es die menschliche Kompetenz, die den Unterschied macht. Gute Entscheidungen erfordern nicht nur fundiertes Wissen, sondern auch die Fähigkeit, widersprüchliche Informationen zu bewerten und Risiken abzuwägen, selbst wenn keine vollständige Datenlage vorliegt. Gerade in komplexen Situationen kommt es darauf an, Auswirkungen, Risiken und Zielkonflikte sorgfältig in die Entscheidung einzubeziehen. Zudem stärkt Kommunikationsklarheit das gemeinsame Verständnis im Team und fördert systemisches Denken, das verschiedene Perspektiven integriert. In der digitalen Arbeitswelt wird diese Kombination aus Soft Skills zunehmend wichtig für alle, die nicht nur reagieren, sondern aktiv gestalten möchten. Nur wer unter Unsicherheit sicher entscheidet, kann langfristig Mehrwert schaffen und Vertrauen aufbauen.

Abschließend zeigt sich, dass im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz Soft Skills für Softwarearchitekten entscheidender denn je sind. Kritisches Denken ermöglicht es, KI-Vorschläge und Teamideen sorgfältig zu hinterfragen sowie Risiken und Zielkonflikte bewusst einzuordnen. Kommunikationsklarheit sorgt dafür, dass komplexe Sachverhalte verständlich vermittelt werden und somit ein reibungsloser Austausch im Team gewährleistet ist. Diese Kernfähigkeiten bilden das Fundament, um die Herausforderungen der modernen Softwarearchitektur erfolgreich zu meistern.

Quellen:

DWX 2026 in Mannheim – Wir sind Platinsponsor und mittendrin im Konferenzprogramm

DWX 2026 in Mannheim – Wir sind Platinsponsor und mittendrin im Konferenzprogramm

DWX 2026 in Mannheim

Wir sind Platinsponsor und mittendrin im Konferenzprogramm

Vom 29. Juni bis 2. Juli 2026 trifft sich die Developer-Community wieder im Rosengarten Mannheim zur DWX – und wir sind in diesem Jahr als Platinsponsor nicht nur dabei, sondern aktiv im Programm vertreten.
Mit Beiträgen zu Responsible AI, Softwarearchitektur, Leadership, Soft Skills und nachhaltiger IT gestalten wir mehrere Bühnen mit.

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Open Stage: Responsible AI & Sustainability

Dienstag, 30.06.2026
Ein Tag voller Impulse rund um verantwortungsvolle KI, nachhaltige Systeme und moderne Softwarearchitektur.

Kompetenzprofil der Führungskraft im KI-Zeitalter
Welche Kompetenzen brauchen Führungskräfte im Umgang mit KI?
Der Vortrag zeigt, warum moderne Führung technisches Verständnis, kommunikative Stärke, ethische Urteilskraft und Veränderungskompetenz vereinen muss – und wie daraus zukunftsfähige Führung entsteht. (Philipp Gropp)

Soft Skills im Zeitalter von KI – Welche Kommunikationsmodelle haben Bestand?
KI verändert Kommunikation und Zusammenarbeit grundlegend.
Der Vortrag beleuchtet klassische Kommunikationsmodelle im KI-Kontext und zeigt, welche weiterhin Bestand haben – und welche neu gedacht werden müssen. (Laura Rheinwald)

Auf den Spuren von Green DevOps
Wie kann Automatisierung nachhaltiger werden?
Der Talk zeigt anhand eines Open-Source-Stacks konkrete Ansätze für ressourcenschonende und effiziente DevOps-Prozesse. (Julian Gommlich)

Cost-Aware AI Architecture: Performante Systeme innerhalb des Budgets entwickeln
KI-Systeme müssen nicht nur leistungsfähig, sondern auch wirtschaftlich tragfähig sein.
Der Vortrag zeigt architektonische Hebel, um KI-Systeme effizient, skalierbar und kostenbewusst zu gestalten. (Dimitri Blatner)

Agentic AI: Die neue IT Security Challenge
Autonome KI-Systeme bringen neue Sicherheitsrisiken.
Der Talk zeigt zentrale Herausforderungen und mögliche architektonische Lösungsansätze für sichere agentische Systeme. (Noah Neukam)

Keynote: Donnerstag, 02.07.2026

Responsible AI Operationalisierung
Responsible AI wird zur Engineering-Aufgabe.
Die Keynote zeigt, wie sich regulatorische Anforderungen wie der EU AI Act in konkrete technische Workflows übersetzen lassen – von MLOps bis Runtime-Guardrails.
Im Fokus steht der Übergang von Governance zu systemischer Umsetzung im KI-Zeitalter. (Dr. Larysa Visengeriyeva)

Vergünstigte Konferenztickets für die DWX

Als Platinsponsor der DWX 2026 bieten wir euch die Möglichkeit, eine unbegrenzte Anzahl an Konferenztickets mit 20 % Rabatt auf den Normalpreis zu erhalten.
Wenn ihr Interesse habt, schreibt uns einfach kurz über unser Kontaktformular.
Wir melden uns bei euch und teilen euch mit, wie ihr den Rabatt ganz unkompliziert erhaltet.

Wir freuen uns auf die DWX 2026!
Mit starken Inhalten zu KI, Architektur, Leadership und nachhaltiger IT freuen wir uns auf den Austausch in Mannheim.
Besucht uns auf der Open Stage und bei der Keynote – wir freuen uns auf euch!

Klarheit im KI-Zeitalter: Warum präzise Kommunikation entscheidend wird

Klarheit im KI-Zeitalter: Warum präzise Kommunikation entscheidend wird

Klarheit im KI-Zeitalter: Warum präzise Kommunikation entscheidend wird

Klarheit im KI-Zeitalter: Warum präzise Kommunikation entscheidend wird

Mit dem Einsatz von KI wachsen auch die Anforderungen an Abstimmung und Verständlichkeit in der Softwarearchitektur. Wo komplexe Systeme, unterschiedliche Stakeholder und neue technologische Möglichkeiten zusammenkommen, reicht technisches Wissen allein nicht aus. Entscheidend ist, Architekturentscheidungen, Zielbilder und Grenzen eines Systems klar zu kommunizieren. Dieser Beitrag beleuchtet, warum präzise Kommunikation in KI-bezogenen Architekturvorhaben ein zentraler Erfolgsfaktor ist und wie sie sich gezielt verbessern lässt. KI verändert, wie wir kommunizieren.

KI verändert, wie wir kommunizieren

Künstliche Intelligenz beeinflusst zunehmend, wie Menschen kommunizieren und Informationen austauschen. Übersetzungstools, Chatbots und Assistenzsysteme können Abläufe beschleunigen, ersetzen aber keine präzise und bewusste Kommunikation. Dies gilt sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld. KI-Systeme interpretieren Sprache strikt nach gelernten Mustern aus bekannten Daten und sind nicht in der Lage, je nach Kontext implizite Bedeutungen oder emotionale Nuancen zuverlässig zu erfassen. Etwas Unausgesprochenes kann leicht missverstanden oder unvollständig verarbeitet werden. Umso wichtiger wird es, klare, strukturierte und eindeutige Kommunikation zu fördern, denn nur so kann sichergestellt werden, dass Informationen präzise vermittelt und nachvollziehbar verarbeitet werden, sowohl von Menschen als auch von KI-Systemen. Die Grundlage dafür ist, die eigenen Gedanken, Interpretationen und den Kontext eines Themas zuerst zu reflektieren und in eine (für Mensch und Maschine) nachvollziehbare Struktur und Reihenfolge zu bringen. Für die Softwarearchitektur bedeutet das, Anforderungen, Annahmen und Entscheidungen so präzise zu formulieren das sowohl KI-Systeme als auch das Team, diese eindeutig versteht und im Systemkontext belastbar weiterverwendet, werden können. In Teams geben uns die Rückfragen, Körpersprache und Mimik wertvolles Feedback, wie klar wir kommunizieren. Bei KI-Systemen fehlen diese Feedback-Elemente, sodass wir aktiv nach „Lücken“ im Kontext der KI Ausschau halten müssen. Auch aktuelle „Reasoning“- oder „Thinking“-KI-Systeme geben Fehler oder Lücken in Ihrem gelernten Wissen nicht selbstständig preis.

Präzise Prompts führen zu besseren Ergebnissen

Wer KI effektiv nutzen möchte, merkt schnell, dass gute Ergebnisse vor allem dann entstehen, wenn ein Prompt präzise formuliert ist, den relevanten Kontext umfassend und klar setzt sowie das angestrebte Ziel eindeutig beschreibt. Folgt der Prompt einer reflektierten Struktur der Gedanken, lassen sich qualitativ hochwertige Ergebnisse in weniger Iterationen und kürzerer Zeit generieren. Wer das Potenzial von KI voll ausschöpfen möchte, sollte deshalb kontextreiche, strukturierte und zielorientierte Prompts formulieren können, denn je präziser die Eingabe, desto besser das Ergebnis. Wiederholungen oder Umschreibungen in Prompts können dabei kontraproduktiv sein und können unerwartete Effekte erzeugen. Der Kontext eines großen KI-Sprachmodells (LLM) ist weiterhin wesentlich kleiner und fehleranfälliger als bei Menschen, sodass der Prompt möglichst kompakt, frei von Fehlern, Widersprüchen oder Redundanzen sein sollte. Gezielte Kommunikationstechniken in Prompts erlauben es, mögliche Kontextlücken schneller identifizieren und korrigieren zu können.

Eine neue Kompetenz entsteht: Cognitive Framing

In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz zunehmend Teil unseres Arbeitsalltags wird, gewinnt die Fähigkeit des Cognitive Framings immer mehr an Bedeutung. Dabei geht es nicht nur darum, klare Anweisungen zu geben, wie es beim Prompt Engineering der Fall ist, sondern Probleme so zu formulieren, dass sowohl Menschen als auch KI effektiv und effizient daran arbeiten können. Cognitive Framing vereint Kommunikationskompetenz, strukturiertes Denken und eine präzise Problemanalyse. Entscheidend ist dabei auch, die Möglichkeiten und Grenzen der KI realistisch einzuschätzen. Diese ganzheitliche Herangehensweise ermöglicht es, komplexe Herausforderungen besser zu erfassen und zielgerichtet Lösungen zu entwickeln. In der Praxis bedeutet das, den Fokus nicht nur auf die Eingabe zu richten, sondern auch darauf, wie ein Problem fachlich und technisch beschrieben und die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI gestaltet wird. So entsteht eine Kompetenz, die dabei hilft, KI gezielt zu nutzen und neue Ideen wirksam weiterzuentwickeln. Cognitive Framing ist damit nicht nur ein technisches Hilfsmittel, sondern eine wichtige Fähigkeit für die Zusammenarbeit im digitalen Kontext.

Kritisches Denken als Korrektiv im Umgang mit KI

In Zeiten, in denen Künstliche Intelligenz zunehmend überzeugende Antworten liefert, gewinnt kritisches Denken an zentraler Bedeutung. Denn eine scheinbar stimmige Lösung ist nicht zwangsläufig korrekt oder vollständig. Experten verändern daher ihre Rolle und werden vom reinen Problemlöser zunehmend zum kritischen Prüfer von Ergebnissen.
Dabei stellen sie essenzielle Fragen wie:

  • Ist diese Antwort plausibel?
  • Welche Annahmen wurden zugrunde gelegt, und sind diese gerechtfertigt?
  • Welche möglichen Risiken oder unbeachteten Faktoren könnten die vorgeschlagene Lösung beeinträchtigen?

Nur durch eine reflektierte und hinterfragende Haltung lässt sich die Qualität der Ergebnisse sicherstellen und Fehlentscheidungen vermeiden. Kritisches Denken wird so zum unverzichtbaren Instrument, um die Potenziale von KI verantwortungsvoll zu nutzen und deren Grenzen zu erkennen. Experten müssen daher ihre Fähigkeiten erweitern und Ergebnisse zunehmend prüfen, einordnen und absichern, ein Wandel, der ohne kritisches Denken nicht möglich ist.

Der produktive Einsatz von KI beginnt nicht bei der Technik, sondern bei der Klarheit des Denkens und der Kommunikation. Wer Probleme präzise formuliert, Prompts bewusst aufbaut, Ergebnisse kritisch hinterfragt und den passenden Kontext setzt, schafft die Grundlage für eine Zusammenarbeit, die nicht nur effizienter, sondern auch belastbarer ist.

Quellen: